Netzwerk „natürlich Brandenburg“ - Was wir wollen

bei der Ernte
bei der Ernte

Mit dem Start dieser Internetseite anlässlich der Internationalen Grünen Woche 2013 zeigt das Netzwerk „natürlich Brandenburg“ erstmals öffentlich Flagge.

Unter dem Dach der Brandenburghalle feiert unsere heimische Agrar- und Ernährungswirtschaft alljährlich im Januar ein großes Fest. Land- und Ernährungswirtschaft präsentieren selbstbewusst, assistiert von viel Landesprominenz, ihr Leistungsvermögen. Hunderttausende Besucher küren die Halle alljährlich zum Publikumsliebling der Grünen Woche.

Also alles in Butter? Leider nein. Aus Sicht vieler Bauern, Gärtner, Fischer und Förster, Jäger und Imker sowie der Ernährungswirtschaft gibt es noch Steigerungsmöglichkeiten und sogar Steigerungsbedarf.

Obwohl ein Drittel der Landesfläche agrarwirtschaftlich genutzt wird und ein weiteres Drittel Wald ist sowie die gewässerreiche Mark als Hochburg der Binnenfischerei gilt und obwohl Dörfer, Kleinstädte und Gärten viel Fläche einnehmen – mit einem „Agrarland Brandenburg“ tun sich viele schwer, die im Land in den Medien, in der Politik, in Verwaltungen oder in der Wirtschaft das Sagen haben. Sie wollen lieber teilhaben am hippen, sich modern und jugendlich gebenden Berlin und Teil einer Hauptstadtregion sein.

Wenn Bayern selbstbewusst ihr Land mit „Hightech und Lederhosen“ vermarkten und die Grande Nation der Franzosen stolz auf ihre Spezialitäten und ihre Kochkunst verweisen, dann zeigt sich, wie identitätsstiftend anderswo Land- und Ernährungswirtschaft für ein Land oder eine Region schon sind oder immer schon waren.

Als Brandenburger könnten wir viel davon lernen. Hier möchte man mit Forschung und Wissenschaft punkten, sich als Kulturland bewerben, preußische Traditionen pflegen oder Naturtouristen anziehen. Das kann auch alles sein, würden sich diejenigen mehr wiederfinden, die mit ihrer Hände Arbeit auf dem Lande ihr Lohn und Brot verdienen.

In manchen Berichten wirken Bauern wie aus der Zeit gefallen, als Vertreter einer old economy, die man in Brandenburg zwar gerade so dulden kann, die sonst aber wenig Aktuelles zur Entwicklung beizutragen haben. Schon der Begriff „Landnutzer“, unter dem alle Grünen Berufe subsumiert werden, klingt irgendwie bedrohlich, vor allem aus der touristischen Perspektive des Prenzlauer Bergs und Kreuzbergs. Dort gilt auch die einfache Formel: Wer nicht Bio isst, ist gegen mich!

Kurz gesagt: Unsere heimische Land- und Ernährungswirtschaft hat ein Imageproblem. Vor allem eines, das sie gar nicht haben müsste.

So steigt seit Jahren das Interesse an regional erzeugten Lebensmitteln. Verbraucherinnen und Verbraucher werden zunehmend zu kritischen Konsumenten, die nicht mehr  frag- und klaglos alles hinnehmen, was ihnen aufgetischt wird. Gläserne Produktion, Frische und Qualität haben aber immer auch etwas mit kurzen Wegen zu tun.

Zahlreiche Preise, Messen und Produktpräsentationen sind der Beweis, dass unsere Ernährungswirtschaft keinen Vergleich scheuen muss. Regionale Marken sind seit Jahren in. Landgasthöfe haben vor allem dann Erfolg, wenn sie die Zutaten für ihre Speisekarte aus dem eigenen Betrieb beziehungsweise aus der Nachbarschaft beziehen. Eltern und Studentenvertretungen fragen nach der Herkunft des Gemeinschaftsessens. Wer in einem Bio-Laden einkauft, erwartet a priori, dass möglichst viel des Sortiments vom Bauern aus der unmittelbaren Umgebung kommt.

Wenn eine echte Wahl zwischen No-Name-Produkten und Lebensmitteln made in Brandenburg besteht, dann entscheidet sich eine Mehrheit der heimischen Verbraucher vorzugsweise für die Region. Dies ist auch einer der Gründe, warum ostdeutsche Agrarprodukte unmittelbar nach der Wende wieder den Weg in die Ladenregale gefunden haben.

Verbündete sind die Brandenburgerinnen und Brandenburger auch, wenn es darum geht, die Werbetrommel für die heimatliche Natur und Landschaft zu rühren.

Was nach dem Mauerfall als „Tafelsilber der deutschen Einheit“ gefeiert wurde und von Touristikern gern als Natur verkauft wird, ist in Wahrheit Agrarlandschaft. Seit Jahrhunderten wird dieses Land von Bauern, Forstleuten, Fischern und Gärtnern bewirtschaftet, in Teilen verändert und als artenreiche Flur erhalten. Landwirtschaft und Landurlaub sind in Brandenburg zwei Seiten einer Medaille. Eine Landpartie ist in Brandenburg ohne Felder und Wiesen, auf denen Tiere weiden, schlicht unvorstellbar. Angeln gehört zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen in der Mark. Wer durch den Spreewald, Brandenburgs bekannteste Reiseregion tourt, tut das im Zeichen von Gurke und Meerrettich und erfreut sich an den seit Generationen bewirtschafteten Höfen mit ihren charakteristischen Heuschobern.

Zwar dürfen und sollen in Sachen gesunder Ernährung alle mitreden, aber können sie das auch?

Wer kennt heute noch einen authentischen Bauern? Früher, ja da hatte jede Familie noch Verwandtschaft auf dem Dorf, die einen mit Frischem, Eingelegtem und Eingekochtem versorgte. Vegetarier gerierten sich noch nicht in Talksshows als die besseren Menschen. Kinder wussten, dass vor dem Würstchen ein Nutztier geschlachtet werden muss. Nachbarn riefen nicht gleich das Ordnungsamt, wenn ein Forstwirt seinen Wald durchforstete oder auf die Jagd ging. Regionale Esskultur wurde innerhalb der Familien weitergegeben. Wenn jemand als „Experte“ auftrat, dann schöpfte er aus reichen, in der Praxis gewonnenen Erfahrungen.

Trotz unendlicher Informationsquellen über alte und neue Medien wissen vor allem Kinder und Jugendliche kaum noch etwas mit dem Thema Landwirtschaft anzufangen. Wie mit Lebensmitteln umgegangen werden muss und wie sie verarbeitet werden können, ist in Zeiten von Fertigprodukten und Fast Food nicht mehr Allgemeingut.

Die Lebensmittelbranche trägt mit bunten Kühen vor idyllisch aussehenden Bauerngehöften dazu bei, ein Bild der Agrarwirtschaft zu vermitteln, das dem entspricht, wie es Bilderbücher für Vorschulkinder bieten aber nicht viel mit der Wirklichkeit zu tun hat.

Obwohl in Projekten und Aktionen, wie der Brandenburger Landpartie, engagiert viele Kenntnisse über Landwirtschaft und die sie umgebende Natur vermittelt werden, wissen die Menschen immer weniger darüber, warum und wie bei uns Milch und Honig fließen. Mancher Landwirt wundert sich, dass vor allem Städter die aus ihrer Sicht einfachsten Dinge von Ackerbau und Viehzucht nicht mehr verstehen.

Darüber hinaus sind die moderne Land- und Ernährungswirtschaft auch oftmals ins Schussfeld einzelner gesellschaftlicher Gruppierungen geraten, die sich auf Kosten unserer Branchen profilieren wollen.

Gesellschaft, Politik und Medien haben sich in den vergangenen Jahrzehnten von der Agrarwirtschaft entfernt und in der Bevölkerung gibt es auch immer weniger Wissen und Verständnis für landwirtschaftliche Zusammenhänge.

Unsere Antwort, solchen Entwicklungen zu begegnen, ist nicht die Schmollecke, sondern das Netzwerk.

Brandenburger Verbände der Land- und Forstwirtschaft, des Gartenbaus, der Fischereiwirtschaft und des ländlichen Raumes haben im Mai 2012 das Netzwerk „natürlich Brandenburg“ als Bündnis für Landwirtschaft und den ländlichen Raum des Landes Brandenburg ins Leben gerufen.

Die erste Herausforderung, der wir uns stellen ist, in zwei Richtungen unsere Kommunikation zu verbessern:

Zum einen soll unter dem dem Dach des Bündnisses eine effiziente und moderne Öffentlichkeitsarbeit (Pressearbeit, neue Medien, soziale Netzwerke, Kampagnen) auf den Weg gebracht werden.

Zum anderen hat sich aber auch gezeigt, dass die Kommunikation zwischen den beteiligten Agrarverbänden besser organisiert werden muss. Wir wissen trotz guter Ansätze zu wenig voneinander. Erstmals in Brandenburg bietet das Netzwerk mit dem Start seiner Internetpräsentation einen gemeinsamen Mediendienst. Dieser Service richtet sich aber vor allem an andere Vereine, Verbände, Bündnisse, an Politiker in Gemeinden, Kreis- und Landtagen sowie an die Medien.

Für Nachfragen und weitere Recherchen stehen Fachleute aus den Verbänden über die angegebenen Kontaktdaten bereit.

Das Netzwerk ist kein abgeschlossenes Konstrukt, sondern offen für neue Mitglieder. Lobbyarbeit für den ländlichen Raum heißt zunächst einmal, die Kräfte – die Kompetenz und die Ressourcen der jeweiligen Verbände – zu bündeln.

Offen sind wir für Fragen und Anliegen, die unsere Branchen betreffen. Vertreter aus unseren Verbänden werden sich in den anstehenden Debatten zu Wort melden.

Über die weiteren gemeinsamen Aktionen und Initiativen stimmen sich die Geschäftsführer der beteiligten Verbände in einem Beirat ab. Dabei können wir auf viele bereits erfolgreich eingeführte agrarpolitische beziehungsweise Agrarmarketing-Veranstaltungen im Land aufbauen.

Wir brauchen viele Mitstreiter. Deshalb ist das Netzwerk eine Einladung an all jene, die sich dem ländlichen Raum und den Grünen Berufe nahe fühlen und sich dafür einsetzen, unserer Land- und Ernährungswirtschaft mehr Gehör zu verschaffen und Landleben in Brandenburg als lebenswerte Alternative zum Leben in der Stadt zu erhalten.

Veranstaltungsübersicht

10.06.2015

Mitgliederversammlung des Fachprüfungsverbandes
von Produktivgenossenschaften in Mitteldeutschland e.V.

Magdeburg-Barleben

 

13./ 14.06.2015

21. Brandenburger Landpartie

Land Brandenburg

 

10. - 12.07.2015

pro agro - Erlebnismarkt zum HanseStadtFest "Bunter Hering"

Frankfurt/ Oder

 

25.07.2015

11. Potsdamer Erlebnisnacht

Potsdam

 

06. - 09.08.2015

pro agro - Erlebnismarkt zur HanseSail 2015

Rostock

 

07. - 09.08.2015

Treckertreffen Philadelphia

Philadelphia

 

08./ 09.08.2015

17. Spreewälder Gurkentag

Golßen

 

08. 09.08.2015

Pritzwalker Heidelbeertage

Pritzwalk

 

22./ 23.08.2015

Brandenburger Spezialiätenmarkt Regional und Bio

Domäne Dahlem Berlin

 

12.09.2015

Brandenburger Dorf- und Erntefest 2015

 

19./ 20.09.2015

Traditionsfest mit Grünem Markt

Späth´sche Baumschulen Berlin

 

09. - 11.10.2015

Herbstmesse "Lecker Lausitz" Cottbus

Messe Cottbus

 

10. - 14.10.2015

ANUGA

Messe Köln

 

24./ 25.10.2015

Brandenburger Schlachtefest

Paaren im Glien

 

11. - 13.12.2015

Hippologica - Internationale Pferdesportmesse

Messe Berlin

 

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